Gebrauchter Callaway Supersoft Golfball in Nahaufnahme — Beispiel für abweichende Kompressionsangaben

Golfball-Kompression: Warum die Werte nicht vergleichbar sind

Nein — Kompressionswerte verschiedener Hersteller lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Es gibt keine verbindliche Norm dafür, wie Kompression gemessen und angegeben wird: Unterschiedliche Prüfgeräte liefern für denselben Ball unterschiedliche Zahlen, manche Hersteller veröffentlichen überhaupt keinen Wert. Eine 38 bei der einen Marke und eine 60 bei der anderen stehen deshalb nicht auf derselben Skala. Dieser Artikel zeigt, wie gemessen wird, warum die Zahlen auseinanderlaufen — und woran du dich stattdessen orientierst.

Gibt es eine verbindliche Norm für die Kompression von Golfbällen?

Nein. Weder die Golfregeln noch eine Industrienorm schreiben vor, wie Kompression zu messen oder anzugeben ist. Die Herstellerzahl ist eine Produktinformation, keine Prüfangabe.

Das überrascht viele, weil der Golfball zu den am strengsten regulierten Sportgeräten überhaupt gehört. Die Equipment Rules von R&A und USGA (Part 4) begrenzen den Durchmesser nach unten auf mindestens 42,67 mm, das Gewicht nach oben auf höchstens 45,93 g, verlangen ein symmetrisches Flugverhalten und prüfen Anfangsgeschwindigkeit sowie Gesamtdistanz gegen den Overall Distance Standard. Ein Ball, der diese Prüfungen besteht, landet auf der Conforming Ball List.

Die Kompression kommt in diesem Regelwerk schlicht nicht vor. Sie ist keine regelrelevante Eigenschaft — und genau deshalb hat sich nie eine gemeinsame Messmethode durchgesetzt. Jeder Hersteller darf messen, wie er will, und muss überhaupt nichts veröffentlichen.

Wie wird Golfball-Kompression überhaupt gemessen?

Immer über dasselbe Prinzip — wie stark sich der Ball unter einer definierten Last verformt —, aber mit mindestens vier verschiedenen Verfahren, die zueinander nicht kompatibel sind.

Verfahren Skala Prinzip Vergleichbar mit
PGA-/Atti-Skala 0–200 (handelsüblich ca. 30–110) Verformung unter fester Prüflast: keine Verformung = 200, eine Verformung von 0,2 Zoll (5,08 mm) = 0. Jede weitere tausendstel Zoll kostet einen Punkt. nur mit anderen Atti-Werten
Riehle-Skala eigene Skala Anderes Prüfgerät, andere Last, andere Bezugsgröße. umrechenbar: Atti ≈ 160 − Riehle
Load/Deflection Millimeter Die reine Verformung bei einer angegebenen Last, ohne Umrechnung in eine Punktzahl. nur bei identischer Prüflast
Shore-Härte (C/D) Materialhärte Misst die Härte einer Oberfläche — bei Kern oder Schale, nicht die Verformung des ganzen Balls. gar nicht mit Kompression

Die Umrechnung zwischen Atti und Riehle macht das Problem greifbar: Ein Ball mit Riehle 100 entspricht einem Atti-Wert von 60. Derselbe Ball, zwei Zahlen, 40 Punkte auseinander — nur weil ein anderes Gerät auf dem Prüftisch stand. Beide Skalen und die Umrechnungsformel sind in der Patentliteratur zur Golfballkonstruktion (USPTO) ausführlich dokumentiert.

Dazu kommt: Selbst zwei Geräte desselben Typs liefern nicht identische Werte. Dass die 90 des einen Herstellers bei einem unabhängigen Labor als 87 herauskommt, ist Alltag, kein Skandal.

Warum weicht der gemessene Wert von der Herstellerangabe ab?

Weil Hersteller und Prüflabore weder dasselbe Gerät noch zwingend denselben Prüfling verwenden. Vier Ursachen wirken zusammen.

  • Anderes Gerät, andere Skala. Siehe oben — ohne Angabe des Verfahrens ist eine Kompressionszahl nicht interpretierbar.
  • Kern statt Ball. Kernkompression und Gesamtball-Kompression sind zwei verschiedene Messungen. Ein weicher Kern unter einer festen Mantelschicht ergibt zwei sehr unterschiedliche Zahlen — und beide dürfen „Kompression“ heißen.
  • Temperatur. Kalt gemessen ist derselbe Ball härter. Das ist kein Messfehler, sondern Materialverhalten: Die Kautschukverbindungen im Kern werden bei Kälte steifer. Wie sich das auf dem Platz auswirkt, steht in unseren Tipps für Golf im Winter.
  • Chargenstreuung. Nicht jeder Ball einer Produktion ist identisch. Die Streuung innerhalb einer Charge kann größer sein als der Unterschied zwischen zwei Modellen.

Ein konkretes Beispiel: Callaway gibt den Supersoft seit rund einem Jahrzehnt mit einer Kompression von 38 an. Das Ball Lab von MyGolfSpy maß an einer 2023er Charge im Mittel rund 47, wobei einzelne Bälle von Ende 30 bis 60 reichten. Beide Angaben können zutreffen — sie stehen nur nicht auf derselben Skala und stammen nicht vom selben Prüfgerät.

Noch deutlicher wird es beim meistgespielten Ball der Welt: Titleist veröffentlicht für den Pro V1 überhaupt keinen Kompressionswert. Unabhängige Messungen liegen je nach Generation und Gerät zwischen rund 87 und rund 98; das Ball Lab maß die 2025er Generation mit 92,5 auf einem Model-55-M-Prüfgerät. Jede Kompressionstabelle im Netz, die für den Pro V1 eine feste Zahl nennt, gibt damit eine Fremdmessung als Herstellerangabe aus.

Was das für gebrauchte Bälle bedeutet

Im Gebrauchtmarkt kommt eine Ebene dazu, und wir sagen das offen: In einer Packung Lakeballs steckt in aller Regel nicht eine einzige Produktionscharge, sondern ein Querschnitt mehrerer Modelljahre desselben Modells. Wer auf zwei Kompressionspunkte genau plant, ist mit sortenreiner Neuware besser bedient.

Praktisch relevant ist das seltener, als es klingt. Der Abstand zwischen zwei Modellen einer Familie ist meist deutlich größer als jede Mess- oder Chargenabweichung: Der Srixon UltiSoft liegt nach Herstellerangabe bei rund 42, der Srixon Soft Feel bei rund 60 — das spürst du am Putter, ganz gleich, welches Prüfgerät die Zahl erzeugt hat. Welche Variante zu wem passt, haben wir im Artikel zum Srixon Soft Feel als Lakeball auseinandersortiert.

Bogey Golf ist ein Onlineshop für Lakeballs mit Versand aus Deutschland; über 80 % der Bälle werden direkt auf dem Platz gesammelt statt aus dem Wasser geborgen. Sortiert wird nach Marke, Modell und Zustand — in den beiden Stufen Bogey Premium (Markt: AAAA/Mint) und Bogey Classic (Markt: AAA). Nach Kompression sortiert kein Händler, und niemand sollte behaupten, er könne das: Die Zahl steht nicht auf dem Ball. Was die Stufen bedeuten, steht auf der Seite Qualitätsstufen.

Woran solltest du dich statt der Kompressionszahl orientieren?

An drei Dingen: an der Modellfamilie innerhalb einer Marke, an deiner Schwunggeschwindigkeit und am Schalenmaterial. Die absolute Zahl ist der schwächste dieser drei Anhaltspunkte.

  • Vergleiche nur innerhalb einer Marke. Wenn ein Hersteller Modell A mit 38 und Modell B mit 70 angibt, hat er beide auf demselben Gerät gemessen. Diese Rangfolge ist belastbar. Der Vergleich von Marke zu Marke ist es nicht.
  • Geh von der Schwunggeschwindigkeit aus, nicht von der Zahl. Unter etwa 135 km/h am Driver fährst du mit einem weicheren Modell in der Regel besser. Details dazu im Grundlagenartikel Golfball-Kompression erklärt und in der Übersicht zu Low-Compression-Bällen.
  • Für Spin am Grün zählt die Schale, nicht die Kompression. Weich heißt nicht automatisch griffig — das entscheidet das Material der Außenhülle, wie im Vergleich Urethan vs. Surlyn beschrieben.
  • Bei hohem Handicap ab 28 ist der Treffpunkt der größere Hebel. Zwischen einem gut und einem sehr gut passenden Ball liegen für die meisten Freizeitspieler wenige Meter — zwischen einem mittigen und einem dünnen Treffer liegen zwanzig.

Der ehrlichste Test bleibt der eigene. Genau dafür eignen sich gebrauchte Bälle: Drei Modelle über eine Runde zu vergleichen kostet weniger als eine einzige Dutzendpackung Neuware.

Modell Kompression laut Hersteller Bogey Classic, 100er Bogey Premium, 100er
Wilson Staff DUO Soft ca. 35 0,56 € / Ball 0,73 € / Ball
Callaway Supersoft ca. 38 0,74 € / Ball 0,96 € / Ball
Srixon UltiSoft ca. 42 0,60 € / Ball 0,78 € / Ball
Srixon Soft Feel ca. 60 0,63 € / Ball 0,83 € / Ball
Titleist TruFeel keine Angabe des Herstellers 0,63 € / Ball 0,83 € / Ball

Preise Stand September 2026, jeweils 100er-Packung. Die Spalte „Kompression laut Hersteller“ ist bewusst so überschrieben: Sie taugt zum Sortieren innerhalb einer Zeile, nicht zum Rechnen über Zeilen hinweg.

Häufige Fragen

Sind Kompressionswerte verschiedener Hersteller vergleichbar?

Nein. Es existiert keine verbindliche Norm für die Messung. Atti-Skala, Riehle-Skala, Load/Deflection und Shore-Härte liefern für denselben Ball unterschiedliche Zahlen, und die Hersteller nennen ihr Verfahren meist nicht. Aussagekräftig ist nur die Rangfolge innerhalb einer Marke.

Welche Kompression hat der Titleist Pro V1?

Titleist veröffentlicht dazu keinen Wert. Unabhängige Messungen liegen je nach Generation und Prüfgerät zwischen rund 87 und rund 98 — das Ball Lab von MyGolfSpy maß die 2025er Generation mit 92,5. Jede Tabelle, die eine feste Zahl nennt, gibt eine Fremdmessung wieder.

Was bedeutet Kompression 0 oder 200?

Das sind die Endpunkte der klassischen PGA-/Atti-Skala. 200 steht für einen Körper, der sich unter der Prüflast gar nicht verformt, 0 für eine Verformung von 0,2 Zoll (5,08 mm). Handelsübliche Golfbälle liegen dazwischen, etwa zwischen 30 und 110.

Verändert Kälte die Kompression eines Golfballs?

Das Material verhält sich bei Kälte steifer, der Ball wirkt also härter und gibt weniger Energie zurück. Die aufgedruckte Herstellerzahl ändert sich dadurch nicht — das Verhalten auf dem Platz schon. Bei einstelligen Temperaturen ist ein weicheres Modell meist die bessere Wahl.

Haben gebrauchte Golfbälle eine andere Kompression als neue?

Ein unbeschädigter Ball behält seine Kerneigenschaften über Jahre. Größer als jede Alterung ist bei Lakeballs die Streuung über mehrere Modelljahre desselben Modells. Wer exakte Konstanz über eine ganze Charge braucht, ist mit sortenreiner Neuware besser bedient.

Fazit

Kompression ist eine nützliche Orientierung und eine schlechte Kennzahl. Nützlich, solange du sie als Rangfolge innerhalb einer Marke liest — schlecht, sobald du zwei Zahlen aus zwei Katalogen nebeneinanderlegst und daraus eine Kaufentscheidung ableitest. Es gibt keine Norm, kein Pflichtfeld und kein gemeinsames Prüfgerät; es gibt nur Zahlen, deren Herkunft niemand mitliefert.

Die brauchbare Konsequenz ist unspektakulär: Nimm zwei oder drei Modelle in unterschiedlicher Härte mit auf die Runde und entscheide am Putter und am Chip. Für Einsteiger und Spieler mit ruhigerem Schwung sind die Golfbälle für Anfänger der richtige Einstieg, wer die festeren mehrschichtigen Modelle testen will, findet sie unter Tour-Bälle. Wenn es vor allem günstig sein soll, lohnt der Blick auf die günstigen Golfbälle — versandkostenfrei ab 50 €.

Stand: September 2026

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