Provisorischer Ball: richtig ansagen und regelsicher spielen (Regel 18.3)
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Bevor du einen provisorischen Ball schlägst, musst du ansagen, dass es ein provisorischer Ball ist: am sichersten mit dem Wort „provisorisch“. So steht es in Regel 18.3b. Sagst du nur „ich spiele noch einen“, ist der zweite Ball sofort dein Ball im Spiel, mit Schlag und Distanzverlust. Dein erster Ball ist dann verloren, selbst wenn er zehn Meter neben dem Fairway liegt.
Dieser Ratgeber erklärt die Ansage, die drei Ausgänge eines provisorischen Balls und das Zählen der Schläge. Außerdem geht es um den Fehler, den kaum jemand kennt: zwei Bälle, die du nicht auseinanderhalten kannst. Grundlage ist die Regelfassung, die seit dem 1. Januar 2023 gilt. Das ist keine Rechtsberatung, maßgeblich ist der offizielle Regeltext von R&A und USGA.
Was musst du sagen, bevor du einen provisorischen Ball spielst?
Kurz: Du musst vor dem Schlag jemandem ansagen, dass du einen provisorischen Ball spielst. Dafür verwendest du das Wort „provisorisch“ oder machst es anders eindeutig klar. Ein bloßes „ich spiele noch einen Ball“ reicht laut Regel 18.3b ausdrücklich nicht.
Die Ansage richtet sich an deinen Zähler oder an einen Mitspieler, im Lochspiel an deinen Gegner. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Sie muss vor dem Schlag erfolgen. Eine nachgeschobene Erklärung („das war natürlich provisorisch“) rettet nichts. Fehlt die Ansage, ist der zweite Ball nach Regel 18.3b dein Ball im Spiel unter der Strafe von Schlag und Distanzverlust.
| Was du sagst | Reicht das? | Warum |
|---|---|---|
| „Ich spiele einen provisorischen Ball.“ | Ja | Das Schlüsselwort steht im Satz, so formuliert es die Regel selbst. |
| „Provisorisch, Titleist 3 mit rotem Punkt.“ | Ja, und besser | Ansage plus Identifizierung: Später gibt es keinen Streit, welcher Ball welcher ist. |
| „Ich spiele noch einen Ball.“ | Nein | Regel 18.3b nennt genau diese Formulierung als nicht ausreichend. |
| „Ich lade nach.“ / „Der könnte weg sein.“ | Nein | Keine eindeutige Erklärung, dass du nach Regel 18.3 spielst. |
| Wortlos einen zweiten Ball aufteen | Nein | Ohne Ansage wird der zweite Ball automatisch zum Ball im Spiel. |
Die Gewohnheit „Provisorisch, plus Marke, Nummer und Markierung“ kostet zwei Sekunden. Sie erfüllt Regel 18.3b und beugt zugleich dem Identifizierungsproblem vor, um das es weiter unten geht.
Wann darfst du überhaupt einen provisorischen Ball spielen?
Kurz: Immer dann, wenn dein Ball außerhalb eines Strafgebiets verloren oder im Aus sein könnte. Liegt er dagegen sicher oder nahezu sicher in einem Strafgebiet, ist kein provisorischer Ball vorgesehen. Dann gelten die Erleichterungsmöglichkeiten nach Regel 17.
Regel 18.3a nennt drei Situationen, in denen ein provisorischer Ball ausdrücklich erlaubt ist:
- Der ursprüngliche Ball ist noch nicht gefunden und identifiziert, aber auch noch nicht verloren.
- Der Ball könnte in einem Strafgebiet liegen, aber genauso gut irgendwo anders auf dem Platz.
- Der Ball könnte in einem Strafgebiet liegen, aber auch im Aus.
Der Zweck steht im Regeltext: Zeit sparen. Statt nach drei Minuten erfolgloser Suche zum Abschlag zurückzulaufen, liegt der Ersatz schon im Fairway.
Seit der Regelreform 2019 darfst du auch dann noch zurückgehen und provisorisch spielen, wenn du schon nach vorn gelaufen bist und mit der Suche begonnen hast. So legt es die offizielle Auslegung 18.3a/2 fest. Die frühere Begrenzung auf eine kurze Strecke gibt es nicht mehr. Der Haken: Die Suchzeit von drei Minuten (Regel 18.2a(1)) läuft weiter, während du zurückgehst. Ist sie abgelaufen, ist der ursprüngliche Ball verloren. Dann ist auch kein provisorischer Ball mehr möglich, und du spielst ohnehin unter Schlag und Distanzverlust. Die praktische Regel bleibt deshalb: Den provisorischen Ball spielst du am besten sofort, solange du noch am Abschlag stehst.
Wann wird der provisorische Ball zum Ball im Spiel und wann musst du ihn aufgeben?
Kurz: Der provisorische Ball wird zum Ball im Spiel, wenn der ursprüngliche Ball verloren (nicht in einem Strafgebiet) oder im Aus ist. Das gilt auch, wenn du ihn von einer Stelle näher zum Loch spielst als die geschätzte Lage des ursprünglichen Balls. Findest du den ursprünglichen Ball innerhalb von drei Minuten im Gelände, musst du den provisorischen aufgeben.
Bis dahin darfst du den provisorischen Ball mehrfach weiterspielen. Bedingung nach Regel 18.3c(1): Jeder Schlag erfolgt von einer Stelle, die gleich weit oder weiter vom Loch entfernt ist als die geschätzte Lage des ursprünglichen Balls. Wer mit dem provisorischen Ball diese Linie überschreitet, hat sich entschieden, auch wenn der erste Ball zwei Minuten später gefunden wird.
Die folgende Tabelle zeigt die typischen Fälle nach einem Abschlag, der im Rough oder Richtung Aus verschwindet:
| Situation | Was gilt | Weiter mit |
|---|---|---|
| Ursprünglicher Ball innerhalb von 3 Minuten im Gelände gefunden | Provisorischen Ball aufgeben (Regel 18.3c(3)) | Ursprünglichem Ball, 2. Schlag |
| Ursprünglicher Ball nach 3 Minuten nicht gefunden | Provisorischer Ball wird Ball im Spiel | Provisorischem Ball, 4. Schlag |
| Ursprünglicher Ball liegt im Aus | Provisorischer Ball wird Ball im Spiel | Provisorischem Ball, 4. Schlag |
| Ursprünglicher Ball im Strafgebiet gefunden oder dort bekannt | Provisorischen Ball aufgeben; Original spielen oder Erleichterung nach Regel 17 (ein Strafschlag) | Original (2. Schlag) oder nach Erleichterung (3. Schlag) |
| Provisorischer Ball von näher zum Loch gespielt als die geschätzte Lage des Originals | Provisorischer Ball wird Ball im Spiel, Original ist verloren | Provisorischem Ball, Zählung läuft weiter |
| Zweiter Ball ohne Ansage gespielt | Zweiter Ball ist Ball im Spiel (Regel 18.3b), Original ist verloren | Zweitem Ball, 4. Schlag |
Ein Sonderfall verdient Aufmerksamkeit: Hast du keine Ansage gemacht, findest den ersten Ball und spielst ihn trotzdem, dann spielst du einen falschen Ball. Im Zählspiel kostet das zwei Strafschläge nach Regel 6.3c, und du musst den Fehler korrigieren. Im Lochspiel verlierst du das Loch.
Wie zählst du die Schläge mit einem provisorischen Ball?
Kurz: Der provisorische Ball vom Abschlag ist dein dritter Schlag: Abschlag, ein Strafschlag, dann der neue Schlag. Wird er zum Ball im Spiel, zählen alle Schläge mit ihm. Musst du ihn aufgeben, zählen weder seine Schläge noch eine Strafe.
Ein Beispiel auf einem Par 4: Dein Abschlag fliegt rechts in hohes Gras. Du sagst „provisorisch“ an und spielst den zweiten Ball ins Fairway. Das ist Schlag 3. Mit dem provisorischen Ball schlägst du dann noch einmal Richtung Grün, und zwar von einer Stelle, die hinter der vermuteten Lage deines ersten Balls liegt. Das ist Schlag 4, erlaubt nach Regel 18.3c(1). Jetzt findest du den ersten Ball innerhalb der drei Minuten. Die beiden Schläge mit dem provisorischen Ball und der Strafschlag entfallen. Du spielst den ursprünglichen Ball mit deinem zweiten Schlag weiter.
Andersherum: Findest du den ersten Ball nicht, liegt der provisorische Ball nach Schlag 4 im Spiel, und dein nächster Schlag ist der fünfte. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, verzählt sich nicht mehr: Der provisorische Ball ist eine Versicherung, deren Kosten nur fällig werden, wenn du sie brauchst.
Warum werden zwei gleiche Bälle zur Strafschlag-Falle?
Kurz: Kannst du den ursprünglichen und den provisorischen Ball nicht unterscheiden, behandelt die offizielle Auslegung zu Regel 18.3c den gefundenen Ball als den provisorischen. Damit zahlst du Schlag und Distanzverlust, obwohl vielleicht dein erster Ball vor dir liegt.
Das passiert schneller, als man denkt. Du spielst aus dem Bag zwei identische Bälle, gleiche Marke, gleiches Modell, gleiche Nummer, ohne eigene Markierung. Beide fliegen in dieselbe Richtung. Findest du nur einen, lässt sich nicht beweisen, welcher es ist, also gilt er als provisorischer Ball im Spiel. Findest du beide im Gelände und kannst sie nicht zuordnen, wählst du einen als provisorischen Ball. Der andere wird aufgegeben, und auch dann bist du unter Schlag und Distanzverlust.
Die Lösung kostet nichts außer einem Stift: Markiere jeden Ball vor der Runde eindeutig, wie im Beitrag zu Golfball-Markierungen und Ballidentifizierung beschrieben. Und sag die Markierung mit an. Wer es sich noch leichter machen will, schlägt den provisorischen Ball mit anderer Nummer oder in anderer Farbe. Gelbe oder orange Bälle findest du im Herbstlaub zudem schneller wieder, und das senkt die Zahl der Fälle, in denen du überhaupt provisorisch spielen musst.
Eine Ausnahme gilt im Turnier: Setzt die Spielleitung die Musterplatzregel G-4 (Ein-Ball-Bedingung) in Kraft, muss auch der provisorische Ball dieselbe Marke und dasselbe Modell haben. Dann unterscheidest du die Bälle ausschließlich über Nummer und Markierung. Wann diese Bedingung greift, erklärt der Artikel Lakeballs im Turnier: erlaubt oder nicht?.
Was ein Ball für die Hosentasche kostet, ist bei gebrauchten Bällen überschaubar. Die Preise stammen aus dem Shop von Bogey Golf, dem Onlineshop für Lakeballs mit Versand aus Deutschland. Über 80 % der Bälle werden dort direkt auf dem Platz gesammelt (Found Balls), also oft genau dort, wo jemand drei Minuten vergeblich gesucht hat. Stand der Preise: 04.10.2026, nur bestellbare Varianten.
| Ball | Packung | Preis pro Ball | Gut für |
|---|---|---|---|
| Farbige Bälle, Marken-Mix, Bogey Classic | 100 Stück | 0,39 € | Provisorischer Ball in Kontrastfarbe, Herbstrunden |
| Farbige Bälle, Marken-Mix, Bogey Premium | 50 Stück | 0,55 € | Kontrastfarbe in besserem Zustand |
| Alle Marken, Bogey Classic (Mittelwert) | 50 Stück | 0,69 € | Ein Modell für Original und provisorischen Ball |
| Alle Marken, Bogey Premium (Mittelwert) | 50 Stück | 0,90 € | Turniere mit Ein-Ball-Bedingung |
| Titleist Pro V1 / Pro V1x, Bogey Classic | 50 Stück | 1,38 € | Spieler, die ihr Modell auch provisorisch nicht wechseln |
Mittelwert bedeutet hier Median über alle bestellbaren 50er-Packungen im Sortiment. Was die beiden Stufen unterscheidet, steht auf der Seite zu den Qualitätsstufen Bogey Premium (Markt: AAAA/Mint) und Bogey Classic (Markt: AAA).
Provisorischer Ball oder Musterplatzregel E-5: was ist günstiger?
Kurz: Der provisorische Ball kostet einen Strafschlag, die Musterplatzregel E-5 kostet zwei. Ist E-5 in Kraft, spart sie dir trotzdem den Rückweg, wenn du keinen provisorischen Ball gespielt hast. Hast du einen gespielt, darfst du E-5 für den ursprünglichen Ball nicht mehr nutzen.
E-5 gilt nur, wenn deine Spielleitung sie ausdrücklich in Kraft setzt. In den Verbandswettspielen des DGV gehört sie nicht zu den veröffentlichten Platzregeln. Die Details, inklusive des Erleichterungsbereichs und der drei Sperren, stehen im Beitrag zur Musterplatzregel E-5 beim verlorenen Ball. Für den Alltag bleibt die Reihenfolge klar: erst provisorisch spielen, E-5 nur als Notausgang.
Die Frage betrifft viele: Der Deutsche Golf Verband meldete zum Stichtag 30.09.2025 genau 695.617 registrierte Golferinnen und Golfer auf 721 Anlagen (DGV-Pressemitteilung vom 21.01.2026). Jede dieser Runden läuft nach demselben Regelbuch, und gesuchte Bälle sind einer der häufigsten Gründe für stockendes Spiel.
Häufige Fragen zum provisorischen Ball
Muss ich das Wort „provisorisch“ wirklich aussprechen?
Nicht zwingend das Wort, aber eine eindeutige Erklärung. Regel 18.3b verlangt, dass du „provisorisch“ sagst oder anders klar machst, dass du nach Regel 18.3 spielst. Formulierungen wie „ich spiele noch einen Ball“ reichen ausdrücklich nicht. Wer das Wort benutzt, ist immer auf der sicheren Seite und vermeidet jeden Streit mit dem Zähler.
Darf ich einen provisorischen Ball spielen, wenn mein Ball im Wasser sein könnte?
Nur wenn er auch woanders verloren oder im Aus sein könnte. Ist es bekannt oder nahezu sicher, dass der Ball in einem Strafgebiet liegt, ist kein provisorischer Ball vorgesehen. Dann gelten die Erleichterungen nach Regel 17. Besteht dagegen die Möglichkeit, dass er davor im hohen Gras liegt, ist der provisorische Ball nach Regel 18.3a erlaubt.
Wie viele Strafschläge kostet ein provisorischer Ball?
Wird der provisorische Ball zum Ball im Spiel, kostet er einen Strafschlag (Schlag und Distanzverlust): Vom Abschlag ist er dein dritter Schlag. Findest du den ursprünglichen Ball innerhalb von drei Minuten im Gelände, kostet er nichts. Du gibst ihn auf, und weder seine Schläge noch die Strafe zählen.
Darf ich zurückgehen, um einen provisorischen Ball zu spielen?
Ja. Seit 2019 darfst du auch nach Beginn der Suche zum Abschlag zurückkehren und provisorisch spielen, so die offizielle Auslegung 18.3a/2. Die dreiminütige Suchzeit läuft dabei aber weiter. Ist sie vorbei, ist der Ball verloren, und du spielst ohnehin unter Schlag und Distanzverlust. Sofort am Abschlag provisorisch zu spielen, spart Zeit und Ärger.
Muss der provisorische Ball dasselbe Modell sein?
Normalerweise nicht. Jeder regelkonforme Ball ist erlaubt, eine andere Farbe oder Nummer hilft sogar bei der Identifizierung. Anders ist es, wenn die Spielleitung die Musterplatzregel G-4 (Ein-Ball-Bedingung) in Kraft gesetzt hat: Dann muss auch der provisorische Ball dieselbe Marke und dasselbe Modell haben wie der Ball, mit dem du die Runde begonnen hast.
Fazit: drei Wörter vor dem Schlag
„Ich spiele provisorisch“: Diese Ansage vor dem Schlag entscheidet, ob dich ein verzogener Abschlag einen oder unter Umständen gar keinen Strafschlag kostet. Ohne sie ist der erste Ball verloren, auch wenn er gefunden wird. Dazu kommen zwei Gewohnheiten: Spiel den provisorischen Ball sofort vom Abschlag, und unterscheide beide Bälle eindeutig über Markierung, Nummer oder Farbe. Wie sich die Regeln seit 2019 insgesamt verändert haben und was 2027 ansteht, ordnet der Überblick zu den aktuellen Golfregeln ein.
Für die Hosentasche lohnen sich zwei Sorten: farbige Golfbälle ab 0,39 € pro Ball als gut sichtbarer provisorischer Ball, oder dein Stammmodell in größerer Menge, zum Beispiel aus den Titleist Lakeballs. Versandkostenfrei bestellst du ab 50 €.
Stand: Oktober 2026. Grundlage sind die Golfregeln in der Fassung vom 1. Januar 2023 (R&A/USGA) samt offizieller Auslegungen; die nächste Regelfassung wird für 2027 erwartet. Das ist keine Rechtsberatung.